Nachkommen von verdingten Menschen

Facebook und Homepage kleinDein Vater, deine Mutter ist ein ehemaliges Verdingkind? Ein Heimkind! Wurde aus der Familie gerissen und fremdplatziert?
Was hast du als Kind davon mitbekommen? Wie war deine Kindheit. Dein Erleben mit deinen Eltern. Wusstest du davon? Habt ihr darüber gesprochen? Was hat dich geprägt?
Magst du erzählen?
Für eine Projektarbeit suche ich Nachkommen von verdingten Menschen.

Danke für dein Zeichen.
Herzlich Lotty Wohlwend

 

 

Anime rubate

Anime rubate COPWir freuen uns bekannt zu geben, dass per sofort das Buch von Lotty Wohlwend und Arthur Honegger "Gestohlene Seelen" Verdingkinder in der Schweiz auch in italienischer Sprache zu erhalten ist. Unter dem Titel:
 
"Anime rubate" Bambini Svizzeri all‘ asta

kann das Buch beim Verlag Armando Dadò editore bestellt werden.
Tel. +41 91 751 48 02, ISBN 978-88-8281-441-0, Fr. 20.-

Übersetzung
Gabriella de'Grandi, Reggio Emilia, Italien. Sie übersetzte bereits
Werke von Friedrich Glauser, Franz Kafka, Joseph Roth, Hugo
Loetscher, Hermann Hesse , Franz Hohler und Hansjörg Scheider
ins Italienische.
Ergänzt wurde die Ausgabe mit einem Vorwort von Simona Sala,
San Petro TI, Übersetzerin und Journalistin, leitet die Kulturseiten
des und einem Nachwort von Alex Pedrazzini.

Simona Sala, 1973, studierte Anglistik und Germanistik an der
Universität Zürich, ist leitende Redaktorin der Kulturseiten des
Journal Azione (Migros Zeitschrift) und leitet den Verlag
„Abendstern“.

Alex Pedrazzini, 1951, aus Mendrisio, Dr. iur., ist ehem. Tessiner Regierungsrat, Gründungsmitglied der 2009 durch den Bundesrat eingesetzten Kommission zur Verhütung von Folter (OPCAT)

 

Silas on Tour

Seit über einem Jahr ist Silas alias Rudolf Moser regelmässig zusammen mit seiner Hündin, dem Alaskan Malamute „Shiuanaqa“ und in Begleitung der Autorin Lotty Wohlwend, als Gast an Schulen unterwegs.

Homepage 1

Danke Silas
Es braucht Mut und Überwindung, um vor fremden Augen und Ohren aus den dunklen Stunden in der Kindheit zu erzählen. Was für die Anwesenden spannend und eindrücklich erscheinen mag, wie aus einer fremden Welt, ist für Silas bis heute harte Realität geblieben. Seine Erfahrungen haben in Körper und Seele schwere Spuren hinterlassen, Spuren, die man gemeinhin Trauma nennt.

Jede Lesung ist ein Kraftakt für sich
Warum tut sich Silas dies an? Weil er weiss, dass Gewalt auch heute noch für viele Kinder und Jugendliche genauso harte Realität ist, wie seinerzeit bei ihm. Vielleicht sind die Vorzeichen anders, vielleicht auch die familiäre Situation. Doch gemeinsam ist, dass eine solche Kindheit verdammt lange dauert und unerträglich ist. Darauf aufmerksam machen und sensibilisieren, ist sein Ziel. 
Aktuell ist Silas mit grossem Erfolg in vielen Schulen der Ostschweiz an Lesungen unterwegs. Nicht nur sein Alaskan Malamute „Shiuanaqa“ beeindruckt dabei die Jugendlichen, auch Silas Offenheit und Ehrlichkeit zugleich.

Danke Silas für dein Engagement
Lotty Wohlwend

Weitere Infos finden Sie unter Lesungen

 

Leseprobe 1

Leseprobe aus dem Kapitel: Vielleicht dürfen wir bald wieder nach Hause…

Der schwere Gang zur Gotte

Maria, Niederösterreich 1935
Mutter drückt Maria (8) und Anna (7) ein kleines Bündel in die Hand. Darin sind einige Kleider und etwas zu essen. Sie weint und kann kaum noch sprechen. Immer wieder küsst sie die Gesichter ihrer beiden Mädchen. Dann lässt sie sie ziehen. „Ihr kennt den Weg?“ Forschend schaut sie in die Augen ihrer Kinder. Die beiden Mädchen nicken. „Ja Mama, wir kennen ihn.“ Vor ihnen liegt ein gut dreistündiger Fussmarsch. Ihr Ziel ist der Hof von Marias Gotte. Sie ist eine entfernte Verwandte, die mit ihrem Mann und den beiden bald erwachsenen Kindern, einer Tochter und einem Sohn, ein Bauerngut betreibt.

maria 1

Vor einigen Wochen ist ein Mann vom Fürsorgeamt zur Mutter gekommen. Er hat erklärt, dass die Zustände hier unhaltbar seien und die Kinder fort müssten. Es gehe nicht an, erklärte er der weinenden Mutter, dass eine alte, kranke Frau auf zwei Kinder aufpassen müsse und die Mutter den ganzen Tag unterwegs sei.
Dass die Kinder die kranke Grossmutter pflegten und die Mutter die hohen Zinsforderungen dieser alten Frau abzuarbeiten hatte, wollte der Mann nicht hören. Er kenne die Umstände, mehr gebe es dazu nicht zu sagen. Mutter gab nicht auf. Ihre Mädchen durften nicht aus dem Haus.
Anderntags ging sie ins Dorf, aufs Gemeindeamt, und sprach beim Bürgermeister vor. Sie versuchte alles, die Kinder zu behalten. Sie ging von Büro zu Büro, sprach mit einflussreichen Leuten aus dem Dorf. Doch überall winkte man ab. „Es tut uns leid, die Umstände sind zu gravierend.“ Schliesslich erfuhr die junge Frau, dass sich ihre eigene Mutter beklagt hatte. Gegen solch schwer wiegende Vorwürfe aus erster Hand könne man nichts ausrichten, wurde ihr mitgeteilt.
Sie erfuhr, dass ihre alte, bettlägerige Mutter Besuch bekommen hatte und sich über das Schicksal ihrer Enkelkinder ausliess.
Als sie ihre Mutter zur Rede stellte, erklärte diese, dass sie gehofft hatte, so Druck auf den Vater ihrer beiden unehelichen Enkelkinder ausüben zu können, damit er endlich zum Zahlen bereit sei.
Aber es kam anders. Die Gemeinde ordnete an, dass die Kinder bei einem Bauern im Dorf untergebracht werden sollten. Die Mutter, aber auch die Kinder kannten diesen jähzornigen, unberechenbaren Menschen, der immer wieder Pflegekinder hielt. Und es war ein offenes Geheimnis, dass die Schützlinge bei dem wie Sklaven gehalten wurden. Nein, zu diesem Menschen würde sie ihre Kinder nie ziehen lassen.
Doch sie fand in der kurzen Zeit keinen anderen, vor allem keinen besseren Platz. In ihrer grossen Not schickte sie nun die Kinder auf den langen Marsch zur Gotte. Allein in der Hoffnung, dass diese ein Einsehen haben und die Kinder nicht wieder zurückschicken würden.
Maria und Anna ziehen los. Es ist Sonntagmorgen, die Sonne scheint. Doch je näher die Uhr Richtung Mittag rückt, um so heisser wird ihnen. Sie haben Durst, sind müde und haben vor allem schreckliche Angst vor der Ungewissheit ihrer Zukunft. Viele Male würden sie gerne wieder umkehren und zu Mutter zurückgehen. Doch tapfer marschieren sie weiter. Manchmal weinen sie, dann versuchen sie sich wieder gegenseitig zu trösten und Mut zu machen. Bei der Gotte haben wir es gut und wir werden unsere Mutter so oft besuchen, wie es nur geht.
Vielleicht können wir ja auch bald wieder nach Hause zurück.

Endlich sind sie da. Es ist Mittag und die Familie sitzt am Tisch und isst. Maria klopft an die Haustüre und trägt mit scheuer Stimme den Grund ihres Kommens vor. Die Gotte stemmt ihre Arme in die Hüften und murrt: „So, so, das will eure Mutter. Und uns hat sie nicht gefragt. Wir haben keinen Platz für euch und selbst genug Mühe, uns durchzubringen. Geht wieder nach Haus.“

Maria 2Sie will die Kinder wieder auf den langen Weg nach Hause schicken, ungerührt der Tränen und des Bettelns der beiden Mädchen. Da ertönt aus dem Hintergrund eine Stimme: Lass die Kinder doch erst mal eintreten und mitessen. Sie sind erschöpft und müde. Und dann überlegst du dir die Sache noch einmal.“

Gotte hat Gäste am Tisch und die haben die Not und die Tränen der Kinder mitbekommen. Schliesslich gibt die Gotte nach. „Dann bleibt eben , meinetwegen. Aber ihr müsst euren Unterhalt mit Arbeit mitverdienen.“
Maria und Anna nicken erleichtert. „Wir danken dir.“ stammeln sie mit Tränen in den Augen.
Nach dem Essen stellt die Tochter des Hauses Maria in die Küche, wo das Geschirr sich türmt. „Hier hast du Arbeit“, herrscht sie die Kleine an und geht wieder zu den Gästen.
Viel zu rasch wird das Abwaschwasser kalt und Maria bringt das Fett von den schweren, gusseisernen Pfannen kaum weg. Sie versucht mit allen Mitteln, die Pfannen sauber zu kriegen, mit dem Resultat, dass sie schliesslich verzweifelt und mit schwarzen Händen, schmierig von oben bis unten, aufgibt.

Zwar haben die Kinder von nun an genug zu essen – anfänglich mindestens – doch der Druck bleibt. Das Heimweh nach der Mutter und die täglichen Schikanen lasten schwer auf ihren Seelen. Maria und Anna sind froh, dass sie wenigstens zusammenbleiben können, und wenn sie abends, müde von der Arbeit auf dem Hof, zusammen ins Bett steigen, das die Gotte in die Kammer gestellt hat, wo bereits die Grossmutter und die Haustochter schlafen, dann halten sie sich ganz fest und geben sich Trost.

Adresse

Atelier Wohlwend Kupper
Mühlestrasse 25
9532  Rickenbach

Tel. +41 71 966 10 48
info@lotty-wohlwend.ch

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